30. November 2017

Progesteron und Östrogene

Progesteron und Östrogene

Jede Frau ist anders – der individuelle Bedarf ist entscheidend

Vor Beginn jeder Hormontherapie sollte die exakte Ermittlung des tatsächlichen Bedarfs stehen. Denn eine Hormonersatztherapie, die diesen Namen verdient, darf und muss nur solche Hormone ersetzen, die wirklich fehlen. Es ist wenig erfolgversprechend, auf Verdacht etwa östrogenhaltige Präparate zu nehmen. Im schlimmsten Fall kann ein solches Vorgehen – etwa bei einer nicht erkannten Östrogendominanz – die Beschwerden verstärken oder zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Ein Bluttest oder eine Speichelanalyse gibt Aufschluss darüber, in welchem Stadium des Klimakteriums sich die Frau befindet und welche Hormone ergänzt werden müssen. Zu Beginn der Wechseljahre ist das in den meisten Fällen Progesteron.

Progesteron

Progesteron (Gelbkörperhormon) ist eins der Hormone (die anderen sind Östrogene), die in den Eierstöcken während der fruchtbaren Jahre einer Frau gebildet werden. Während der weibliche Körper nie aufhört, Östrogene zu produzieren – selbst nach einer Entfernung der Eierstöcke werden zum Beispiel im Fettgewebe und der Nebennierenrinde noch Östrogene gebildet -, sinkt der Progesteronspiegel bereits zu Beginn der Wechseljahre, denn die Progesteronproduktion ist an den Eisprung gekoppelt. Die Symptome ähneln denen des Prämenstruellen Syndroms (PMS), denn auch im natürlichen Zyklus der Frau schwankt der Progesteronspiegel enorm. Progesteron spielt als Gegengewicht zu den Östrogenen für die hormonelle Balance und damit für die Gesunderhaltung des Körpers eine wichtige Rolle. Ist dauerhaft zu wenig Progesteron im Körper, entsteht eine Östrogendominanz und damit ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs und andere ernsthafte Erkrankungen.
Progesteron hat auch bei Frauen in den Wechseljahren viele wichtige Funktionen, unter anderem folgende:

  • schützt die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) vor überschießenden Wachstumsimpulsen der Östrogene
  • schützt vor einer gutartigen knotigen Veränderung der Brustdrüse (fibrozystische Mastopathie)
  • hilft Fett in Energie umzuwandeln
  • fördert die Harnausscheidung
  • wirkt als natürliches Antidepressivum
  • schützt vor Gebärmutterkrebs
  • aktiviert und vermehrt die knochenbildenden Zellen (Osteoblasten)

Östrogene

Östrogene sind – was die Wirkung anbelangt – spiegelbildlich zum Progesteron.
Das wird deutlich, wenn man ihre Funktionen denen des Progesteron gegenüberstellt.
Östrogene haben unter anderem folgende Funktionen:

  • bauen die Gebärmutterschleimhaut auf
  • regen das Zellwachstum in der Brust an
  • vermehren das Fettgewebe
  • fördern die Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe
  • vermindern das Lustgefühl
  • erhöhen das Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs (Ausnahme: Östriol)
  • hemmen die Tätigkeit der für den Abbau der Knochenmasse verantwortlichen Osteoklasten

Die drei wichtigsten Östrogene sind Östradiol, Östron und Östriol.
Östradiol ist das am stärksten wirksame Östrogen, das heißt es ist hauptverantwortlich für die oben aufgeführten Wirkungen der Östrogene. Mit 10 bis 20 Prozent Anteil am Gesamtöstrogen im Körper ist Östradiol genauso stark vertreten wie Östron. Allerdings ist Östron weniger wirksam. Östriol, das schwächste Östrogen, hat mit 60 bis 80 Prozent den weitaus größten Anteil am Gesamtöstrogen. Östriol hat die geringsten Risiken und vor allem keinen Einfluss auf das Krebsrisiko – möglicherweise hat es sogar eine gewisse Schutzwirkung gegen Krebs.
Eine Östrogensubstitution sollte daher neben dem Östradiol auch Östriol einschließen. Bei jeder Östrogenersatztherapie – auch bei der natürlichen – muss zusätzlich natürliches Progesteron angewendet werden.

DHEA (Dehydroepiandrosteron) ist ein Vorläufer der männlichen und weiblichen Sexualhormone (Testosteron und Östrogene). DHEA fördert den Muskelaufbau, das Wohlbefinden, wirkt stimmungsaufhellend und fördert die Libido.

Quelle: dgk.de